Endlich, am 31. Mai, ist es soweit.

 

Wir gehen noch mal bei dem Chinesen am Marktplatz essen. Am Tag darauf, Freitag, schaffen wir es gerade noch vor der Mittagspause unsere Tanks zu füllen und gehen dann  bei schlechter Sicht auf Westkurs.

 

Vorbei geht es an Ostende bis Nieuwpoort. Mein ( hurra, nun schreibt der Skipper doch selbst weiter) begeisterter Kommentar zu dem neuen, erstmals ausprobierten Spielzeug: „Die elektronische Karte ist toll. Nicht vorstellbar, dass ich die nicht schon immer haben wollte und Krabbe darauf bestehen musste.“ 

 

Doch leider will der Autopilot nicht. Das Problem: der Kompass ist kaputt. Der Raymarine-Mann aus Blankenberge setzt sich netterweise noch am Samstag ins Auto. Noch mal 300 Euro. Vorher sind wir allerdings noch ins alte Nieuwpoort gegangen und haben an dem schönen Marktplatz einen Wein getrunken. Im Logbuch steht: „Ein richtiger Ferientag. Zum Segeln wäre es ohnehin zu neblig gewesen.“

 

Am Sonntag, 3. Juni, ist die Sicht wieder so schlecht, dass wir erstmals unser Radar versuchen. Vor der Hafeneinfahrt von Dunkerque wird der Nebel so dicht, dass die Leitdämme kaum zu erkennen sind. Das graue, neblige Wetter lässt uns noch einen weiteren Tag in dem wenig reizvollen Dunkerque bleiben.

Im Hafen treffen wir die ersten Fahrtensegeler – Brit + Axel auf der „Hello World“, einer nagelneuen 51 Fuß Sunbeam, die eine fünfjährige Weltumseglung planen. Wir werden uns bis in der Bretagne noch öfter sehen.

 

Der nächste Schlag, vorbei an Calais – wir verzichten angesichts des wenig einladenden Liegeplatzes sogar auf den anvisierten Besuch in unserem  Lieblings -Fischrestaurant am Hafen - nach Boulogne-sur-mer am Dienstag, 5. Juni, ist kalt und windig – 21 bis 26 kn. Trotzdem, so der Logbuch-Eintrag: „Endlich wieder Segeln wie wir es geliebt haben.“ Aber auch: „Es kann nur besser werden.“  Treffen ein deutsches Paar auf der „Babalüt“ – einem selbstgebauten Alu-Cat auf Weltreise. 

 

Wieder hält uns das Wetter länger als gewollt in dieser Stadt, auf die wir eigentlich hätten verzichten können. Doch wenn es sein muss, gewinnen wir sogar Boulogne sur mer einige Reize ab. Am Abend gibt es noch ein Gewitter – dann ist erst mal die Luft rein.

 

Freitag, 8, Juni, laufen wir mit vollen Segeln aus, Wind 12 kn achterlich. 142 sm bis Cherbourg liegen vor uns, unsere erste Nachtfahrt auf dem neuen Einhorn ist angesagt. Am Nachmittag ist der Wind weg und die Maschine muss wieder ran. Mit dem Radar sehen wir im Zwangsweg die großen Frachter, die parallel zu uns laufen. Weniger Erfolg haben wir mit den Versuchen, Kiwi das Vorschiff oder eine extra präparierte Matte als Clo schmackhaft zu machen. 23.00 Uhr passieren wir den Null-Meridian von Greenwich und schreiben fortan Westpositionen.

 

Wir genießen den Luxus der Deckssalon-Yacht in der Nacht. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir im Ölzeug, nass und frierend im Cockpit den Morgen herbeisehnte. Die Nachtwache sitzt innen wie auf der Brücke eines Containerschiffs, Karte, Kurs und Radarbild auf dem Laptop, klare Sicht rundum.

 

In der Dunkelheit passieren Fähren in einigem Abstand. Nur am Morgen machen Fischer uns das Leben schwer. Gut, dass wir Radar haben!! Der Nebel ist so dicht, dass wir sie tuten hören, ihre Fahrt jedoch nur auf dem Radarschirm verfolgen können. Zum Sonnenaufgang reißt der Himmel kurz auf. Dann ist wieder alles zu. Erst am Morgen um 10.00 Uhr vor dem Kap Pierre Noire scheint die Sonne wieder. Pünktlich zum Mittagessen sind wir fest in Cherbourg und Kiwi kann nach 36 Stunden endlich an Land. Armer Hund! Doch so dringend scheint ihr das nicht zu sein. Es dauert, bis sie sich für den richtigen Platz auf dem Rasen entschieden hat.

 

 Wir schenken uns ein schönes französisches Menü. Nach sieben Monaten in Belgien fühlen wir uns endlich wieder zuhause.

 

Wir entdecken nun die für uns völlig neue Welt des Fahrtensegelns. An den Gästestegen liegen Schiffe aus verschiedensten Ländern. Natürlich sind es besonders viele Engländer, für die die Reise ins gelobte Land der kulinarischen Köstlichkeiten nur kurz ist. Im Hafen gibt es einen speziell auf ihren Bedarf zugeschnittenen Weinladen, der auch uns einige 10-Liter-Boxen direkt ans Schiff liefert. Wir lernen Hannelore und Andreas aus Köln kennen, die mit ihrem selbstgebauten 13-m-Stahlschiff hier gestrandet sind. Sie besitzen in Haus bei Nazaré in Portugal, wo wir sie noch mehrmals besuchen werden.

 

Als wir am Dienstag, 12. Juni, auslaufen wollten, sind Panik und Trauer angesagt: Fleckchen ist von ihren nächtlichen Ausflügen nicht zurückgekommen. Wir suchen den ganzen Hafen ab. Kein Fleckchen! Krabbe rafft alle ihre englischen Sprachkenntnisse zusammen – und bald weiß der gesamte Hafen vom Verschwinden unseres Fleckchens. Wir geben ihr einen Tag, dann einen zweiten. Am Abend dann kommt der Hafenmeisters an Bord: Das Fleckchen ist in einem anderen Hafen gestrandet. Sie war wohl in ihrer Neugier in ein Boot eingestiegen und nicht mehr raus gekommen. In Saint-Vaast-la-Houge dann hatte sie wohl unser Schiff gesucht. Sie hat zwar ihr Zuhause nicht gefunden – aber immerhin unseren Nachbarn der uns Cherbourg gegenüber lag und dessen Motorboot sie bereits einen Besuch abgestattet hatte. Diese Engländer waren so nett, das Kätzchen einzusperren und den Hafenmeister anzurufen. 70 Euro Taxifahrt – und das Fleckchen liegt schnurrend in Krabbes Armen.