Von Lagos ins Mittelmeer

 

Es war ein recht windiger, für die Region ungewöhnlich schlechter Frühling.

Genau wie im vergangenen Jahr, als wir aus Belgien nicht fort kamen. Doch nun ist es endlich so weit. Am Montag, 16.Mai , werfen wir um 14.30 Uhr die Leinen los.

 

Vilamoura

Doch nichts läuft so wie erhofft. Unser Autopilot arbeitet nicht. Aus der geplanten Nachtfahrt nach Chipiona wird nichts. Wir steuern von Hand und laufen den nächsten Hafen an: Vilamoura. Dort finden wir einen Elektroniker. Nach zwei Tagen hat er den Fehler gefunden: es liegt an dem gerade ein Jahr alten Gyrosplus-Kurscomputer, der vor allem das Radar-Overlay ermöglichen sowie die Operationen am Computer beschleunigen soll. Der Elektroniker hat das Gerät einfach ausgebaut – und schon war der Schaden behoben. Der Computer läuft auch ohne, das Radar-Overlay mögen wir ohnehin nicht. Wofür das 1.000 Euro teure Teil eigentlich gut sein soll, ist uns nicht so ganz klar.

 

Hinzu kommt, dass Kiwi an ihrem 3. Geburtstag, am 20. Mai, ihren Geburtstagsknochen so unglücklich gekaut hat, dass sie sich Muskelrisse in der linken Backe zugezogen hat. Sie hat unglaubliche Schmerzen diagnostiziert der Tierarzt am nächsten Tag. Trotz starker Medikamente rührt sie sich eine Woche nicht freiwillig von ihren Schlafkissen vor unserem Bett.

 

Drei Tage Vilamoura sind mehr als genug. Die künstliche Stadt, die auch noch voller Stolz behauptet, die erste dieser Art in Europa gewesen zu sein, ist lieblos um ein Hafenbecken herum gebaut worden. Kein Wunder, dass hier vor allem dicke Motoryachten liegen. Den ganzen Tag flanieren fette Engländer auf und ab. Ihrem Geschmack entsprechend sind die Kneipen. Nichts erinnert an Portugal. Es gibt keinen billigen Fischergrill – sondern Italiener ohne Ende mit Pizzas ab 9 Euro und was sich so internationale Küche nennt: Teuer und wie überall auf der Welt. Stadt und Hafen haben das Flair eines Ferienflieger-Flughafens, in dem man sich nicht eine Minute länger aufhalten möchte als unbedingt notwendig.

 

Chipiona

Am Freitag, 23.05., kommen wir endlich weiter. Um 6 Uhr geht der Wecker. Bei nur leichten achterlichen Winden wird es ein langer Motortag bis wir am Abend in dem kleinen Hafen von Chipiona festmachen.  Erstmals bleibt unser Katzenmädchen, das kleine Fleckchen, auf der ganzen Fahrt bei uns im Cockpit. Bisher hatte sie sich immer in einem Schwalbennest in der Hundekoje verkrochen.

 

Am Abend essen wir in der Stadt leckere Tapas in einer kleinen lebendigen Bar. Wir sind zurück in Spanien. Wir finden wieder die Fröhlichkeit, das südländische Leben bis spät in die Nacht, das wir in Portugal so vermisst haben. Ein kaum vorstellbarer Unterschied: die Tristess, die unzufriedenen Gesicherter in Portugal, dagegen die Lebensfreude in Spanien. Dabei grenzen die Länder aneinander.

 

Sevilla

 

Am Samstag, 24.05., starten wir um 11.15 Uhr zum Rio Guadalquivir nach Sevilla. Es wird wieder ein langer Tag mit 55 sm, teilweise gegen 2 kn Strom, zuletzt allerdings auch mit dem Schub von 2 kn. Wir halten uns an die Empfehlungen des Pilots und sind bei Niedrigwasser in Bonanza. Dennoch motoren wir Stunden gegen die Tide. Die Logik des eigentlich verlässlichen Imray-Pilots können wir nicht nachvollziehen.

 

Doch der Strom ist faszinierend. Wildes, lehmigbraunes Wasser. Breite, flache und trocken fallende Uferstreifen. Nur wenige, meist verfallene Häuser und Höfe. Bizarre Bäume, unendliche viele Storchennester. Im Strom verankert zahlreiche Fischerboote, die ihre Netze an langen Auslagern fahren. Die Schiffe werden nur im Winter während der Saison der Glasaale genutzt und wirken nun verlassen und verkommen. So ähnlich kann sich wohl den Mekon vorstellen.

 

Die rund sieben Stunden auf diesem Strom – sein Name leitet sich aus dem Arabischen her und bedeutet großer Fluss – werden zu einem Erlebnis, das wir nicht missen möchten. Machen am Abend fest in der weitgehend verschlampten Marina Gelves. Gerade mal in der Hafeneinfahrt finden wir einen Platz, der für uns tief genug ist. Bei Niedrigwasser messen wir auch hier nur noch 1,10 m und liegen tief im Schlick. Der Bagger, der im Pilot als Neuerrungenschaft des Hafens erwähnt ist, steht hoch, trocken und beschäftigungslos an Land.

 

Gelves ist ein lebendiger kleiner Ort mit zweistöckiger Bebauung, Geschäften, einigen Bars, Cafés sowie außerhalb des Zentrums ruhigen, gepflegten Wohnstraßen.

 

Wir bleiben 3 Tage hier und nehmen den Bus, der nahe beim Hafen hält, werktags alle 15 Minuten fährt und uns in der selben Zeit ins Zentrum von Sevilla bringt. Die alte Handelsmetropole ist eine faszinierende Stadt, die noch alle Merkmale ihres einstigen Reichtums zeigt. Wir schleichen uns am Sonntag in eine Messe in der Kathedrale (es ist ein hoher katholischer Feiertag, an dem die Kathedrale für Touristen geschlossen ist) bei der ein Kinderchor singt und kleine Jungen in historischen Kostümen direkt vor dem Altar einen Tanz aufführen. Entgegen den Bräuchen klatschen wir am Ende der Messe dem Organisten Beifall für seine schöne Musik.

 

Einen ganzen Vormittag verbringen wir in dem prunkvollen Alcazar, in dem wir erstmals prächtige maurische Ornamente sehen. Weniger bringt der Besuch des Museo de Bellas Artes, wo wir leider nur einen El Greco, aber immerhin eine ganze Reihe schöner Murillos finden. Wir bummeln durch die Stadt, lernen im „Horno de San Buenaventudera“ gegenüber der Kathedrale den spanischen Schinken Jamoneria Berrocal von dunklen, frei laufenden Schweinen kennen – eine Delikatesse! Wir lernen wie Schinken schmecken kann. Bummeln, Shopping, Tapas essen und dazu ein Glas Wein – wir erklären nun auch Sevilla zu einer Stadt, in der wir leben könnten.